Moin ihr Lieben,
gestern war ich auf dieser Fachtagung:
http://www.diakonie-rwl.de/cms/media///p…erAnmeldung.pdf
(Irgendwie hat das mit dem Link einfügen leider nicht geklappt... ich = DAU... *schiefgrins*)
Mir hat die Tagung gut gefallen, es gab einen Haufen Informationen, die für mich das eine oder andere Erleben mit Betroffenen doch noch einmal aus einer ganz anderen Warte beleuchtete und die eine oder andere Anregung und neue Erkenntnis brachte - ganz besonders nach dem superinteressanten Vortrag dieser Religionswissenschaftlerin, der es echt ein Herzensanliegen ist, Licht in dieses gruselige Dunkel zu bringen. Alle Achtung vor dieser Frau, wirklich!
Anfangs gab es einen Beitrag einer Traumatherapeutin aus Bremen, der auch sehr gut war . Besonders Menschen, die erst anfangen, sich mit Betroffenen und diesem Thema auseinander zu setzen, war dieser Vortrag hilfreich, denke ich.
Ich habe von diesem Tag eine Menge Informationen mitgenommen, viele Anregungen und Denkanstöße und einige Erkenntnisse im Hinblick auf meinen persönlichen Umgang mit Betroffenen. Als absolut wohltuend habe ich es empfunden, dass in diesem großen Saal dort über 100 Menschen saßen, denen es zum Großteil so ging wie mir: Ich war tatsächlich mit einer MENGE Leute in einem Raum, die wussten wovon ich rede, woran ich manchmal zu knabbern habe, wo Grenzen sind - die bisweilen überschritten werden, weil es gar nicht anders geht. Die die gleichen Fragen haben wie ich, die gleichen Ängste.
Gut, überwiegend waren Therapeut/innen dort, aber auch viele, die Betroffene in ihrem Alltag begleiten (teilweise professionell, z.B. in Wohngruppen und Beratungsstellen, aber eben nicht nur) und auch Betroffene selber.
Allein für dieses Gefühl: "Aha, ich bin ja tatsächlich doch nicht die Einzige, die sich hier mit so'm Scheiß rumschlägt" (Das ist NICHT abwertend gemeint Betroffenen gegenüber, aber definitiv ist das Ganze manchmal ein ziemlicher Scheiß... sorry....) hat sich der Tag gestern gelohnt.
Eines der Arbeitsergebnisse war, dass sich im Grunde alle Beteiligten (Therapeuten, Begleiter, Berater, Angehörige, Betroffene und - *staun* - auch Strafverfolgungsbehörden) eine bessere Vernetzung wünschen, damit nicht jeder mit seinem bisschen Information im eigenen Saft schmort und damit es möglich werden kann, umfassende Hilfe und noch bessere Unterstützung für Betroffene leisten zu können, ggf. sogar die Täter zur Rechenschaft ziehen zu können (äußerst schwierig).
Zum Beispiel war in meiner Arbeitsgruppe ein großer Wunsch, dass es sichere Orte für Betroffene, hier im Besonderen Aussteigewillige - geben muss, an die sie sich in Krisenzeiten unbürokratisch zurückziehen können und wo sie WIRKLICH äußere Sicherheit haben und mit allen Innies sein können und dürfen. An dieser Stelle gibt es nämlich irgendwie nichts Richtiges - die Erfahrung haben die Frösche und ich ja nun leider auch schon gemacht.
Wir sind im Gespräch auch auf das Thema "Arztbesuche" gekommen - für die meisten ein absoluter Trigger. Nun gibt es aber wohl doch einige Ärzte, die sich mit DIS auskennen und darauf sehr gut und einfühlsam reagieren. Da wäre sicher auch ein Austausch mit dem Ergebnis "Liste von Ärzten, für die DIS keine griechische Vorsilbe ist".
Behördenkrieg war ein weiteres Thema, nur leider war die Zeit in der Arbeitsgruppe etwas knapp bemessen, in einer Stunde kriegt man da nicht so allzu viel hin bei dem komplexen Thema.
Zwei sehr engagierte Sozialpädagogik-Studentinnen waren auch mit von der Partie - eine davon Freundin einer Betroffenen (Willkommen im Club...) - und die möchten gerne ihre Bachelor-Arbeit zu diesem Thema schreiben. Sie befassen sich mit der Fragestellung, wie Unterstützung und Hilfe für Betroffene verbessert werden kann, was Betroffene brauchen/sich wünschen, was Therapeuten/Begleiter brauchen bzw. sich wünschen... Fand ich eine ganz gute Idee.
Leider kam das nicht deutlich genug heraus im Plenum, ich hab's auch nur mitbekommen, weil die beiden in meiner AG waren.
War eigentlich sonst schon jemand hier bereits auf so einer Tagung? Wie seht ihr das? Vielleicht war ja auch jemand von den hier anwesenden Betroffenen dort und kann Eindrücke aus seiner/ihrer Sichtweise schildern?
Noch Info-sortierende Grüße von
Zickenmama